Momänt mal... Saison 17/18

 

Schiedsrichter 

Bittel Raphael

 

Rafael Bittel, Schiedsrichter und Trainer UHC Green Vipers, Turtmann 

 

Ihr steht gegen Ende der Saison auf dem letzten Platz. Was ziehst du für eine Bilanz? 

Wir durchlaufen derzeit eine schwierige Phase. Die Gründe hierfür sind vielfältig, ein wichtiger ist sicherlich die Integration der Nachwuchsspielerinnen. Wer die Spiele der Vipers in dieser Saison verfolgt hat, hat gesehen, dass häufig mehr Juniorinnen als erwachsene, gestandene Spielerinnen auf dem Feld standen. Dieser Umbruch hat zur Folge, dass wir den Anschluss an die Top-Teams verloren haben. Das ist aber nicht weiter schlimm, da wir uns in einer Lernphase befinden. Die gesammelten Erfahrungen, ob negativ oder positiv, helfen uns bei der Weiterentwicklung. Nicht selten zeigt eine Mannschaft erst dann ihr wahres Gesicht, wenn es schlecht läuft. Diese Saison ist für uns deshalb so etwas wie ein Charaktertest. Wenn wir es schaffen, die richtigen Lehren daraus zu ziehen, dann wird die Mannschaft in der kommenden Spielzeit stärker zurückkommen. 

 

Wie du bereits erwähnt hast, habt ihr sehr viele junge und unerfahrene Spielerinnen, denen noch viel beigebracht werden muss und im Gegenzug auch viele ältere, die schon lange dabei sind. Wie läuft bei euch ein gewöhnliches Training ab? 

Nun ja, es sind vier Spielerinnen, die zwei oder mehr Saisons auf dem Buckel haben. Die restlichen zehn Spielerinnen, die in dieser Spielzeit aufgelaufen sind, sind absolute Novizen. Das bedingt im Training einen Spagat zwischen simplen Grundlagenübungen und technisch wie taktisch anspruchsvolleren Einheiten. Das Ziel muss es sein, dass die Juniorinnen von den erfahrenen Spielerinnen profitieren. Wenn man sich unsere Auftritte anschaut, erkennt man rasch, dass die jungen Wilden bereits tolle Fortschritte gemacht haben. Das ist zu einem grossen Teil auch das Verdienst der vier älteren, erfahrenen Spielerinnen. 

 

Es ist schön zu sehen, wie du sowie die erfahrenen Spielerinnen euch für den Nachwuchs einsetzt. Der Nachwuchs wird in Zukunft sehr wichtig für die Vereine der OUM sein.  

Was ist dein/euer langfristiges Ziel? 

Bezogen auf den Unihockeysport unterscheidet sich das langfristige Ziel nicht vom kurzfristigen – nämlich Spass zu haben! Die Green Vipers feiern im kommenden Jahr ihr 10-jähriges Bestehen. Ich freue mich, Teil des Vereins sein zu dürfen. Viele Spielerinnen sind seit den Anfangsjahren dabei. Zusammen haben wir bereits sehr viel erlebt. Wie es sportlich weitergeht, das steht noch in den Sternen. Wir werden am Saisonende das Geschehene Revue passieren lassen und dann in Ruhe die nächsten Entscheide fällen. 

 

Ich hoffe, auf viele weitere Jahre der Green Vipers. Am Nachwuchs sollte es bei euch ja nicht scheitern... 

Du hast neben deinem Traineramt auch noch eine grosse Anwesenheit als Schiedsrichter. Am Samstag habt ihr nun das erste Mal mit einem Headset die Cupspiele der Herren gepfiffen. Wie hat das funktioniert?

Das war eine sehr spannende Erfahrung! Wir durften im Rahmen der beiden Cup-Partien die Kommunikationssysteme testen. Mein Fazit ist sehr positiv, der Test ist vielversprechend verlaufen. Die Headsets als technische Hilfsmittel ermöglichen es uns, während des Spiels viel mehr miteinander zu sprechen. Obschon das Schiedsrichterwesen der OUM intakt ist und die Schiedsrichter in den vergangenen Jahren viele Fortschritte gemacht haben, sehe ich hier das vielleicht grösste Verbesserungspotential. Verglichen mit Schiedsrichtern anderer regionaler Meisterschaften – oder auch der nationalen Meisterschaft – sind wir OUM-Schiedsrichter in dieser Hinsicht noch viel zu zurückhaltend. Häufig kommunizieren wir ausschliesslich mit der Pfeife und meinen, mit den Spielern auf dem Feld nicht sprechen zu müssen. Seitdem wir Spiele zu zweit leiten, ist eine weitere Komponente hinzugekommen: Die Kommunikation mit dem Schiedsrichterpartner. Auch hier tendieren wir noch dazu, zu wenig miteinander zu kommunizieren. Das Kommunikationssystem via Headset hilft insofern, dass wir Schiedsrichter damit schon einmal automatisch untereinander mehr sprechen. 

 

Was hältst du davon? Wäre eine Anschaffung sinnvoll? 

Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch noch viel Arbeit vor uns steht. Die Reaktionen einzelner Spieler zeigen das hervorragend: Sie belächeln das zusätzliche Hilfsmittel. Das ist absurd, denn eigentlich ist es ja da, damit wir Schiedsrichter mehr sehen bzw. unsaubere Aktionen weniger häufig übersehen. Wenn das dann ausgerechnet noch sich chronisch beklagende Spieler sind, frage ich mich schon, ob sie den Sinn des Kommunikationssystems verstanden haben. Sie verlangen von uns Spitzenleistungen, sind aber nicht bereit, uns Hilfsmittel zuzugestehen. Die Kritik, man sei doch keine Profi-Liga, lasse ich hier nicht gelten. Dann würde ich im Gegenzug auch erwarten, dass die emotionalen Ausbrüche rückläufig werden – es ist "ja nur Plausch". Ich finde die Kultur in der OUM grösstenteils hervorragend, das Verhältnis von ambitionierten Spielern und Plauschspielern hält sich einigermassen die Waage. Dennoch gibt es Spieler, die sich an Spieltagen emotional auffällig verhalten. Das spürt dann oft der Schiedsrichter, der als Blitzableiter herhalten muss. Ich bin mir bewusst, dass man diese Probleme mit der Einführung des Kommunikationssystems nicht beheben kann. Trotzdem müssen wir Schiedsrichter da selbstbewusster auftreten und unsere Interessen auch durchsetzen. Für die Entwicklung des OUM-Schiedsrichterteams ist es meiner Meinung nach zwingend nötig, mit der Zeit zu gehen. Schlussendlich geht es auch hier um die Freude an der Tätigkeit. Und die ist definitiv grösser, wenn man derart tolle Hilfsmittel benutzen darf. Ich begrüsse deshalb die Initiative von David Miesch sehr und hoffe, dass die OUM das Kommunikationssystem anschaffen wird.  

 

Danke für dein sehr ausführliches Interview. Ich wünsche dir noch einen guten Abschluss der diesjährigen Unihockeysaison.  sb